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Schlägerei oder Naziüberfall? (ND vom 01.03.08) E-mail
Saturday, 01 March 2008 14:36
In Thüringen wurde ein Punk zusammengeschlagen und liegt im Koma

Von Matthias Gärtner

Seit drei Wochen liegt ein junger Mann, welcher der Punkszene zugeordnet wird, im künstlichen Koma. Er war vor einer Diskothek im ostthüringischen Berga (Elster) zusammengeschlagen worden. Ob es einen rechtsextremen Hintergrund für die Gewalttat gibt, ist offen.

In der Nacht vom 9. zum 10. fanden Rettungskräfte vor einer Diskothek in Berge einen 19-Jährigen bewusstlos auf. Er war zusammengeschlagen worden. Gegenüber ND bestätigte der Sprecher der Polizeidirektion Gera, Michael Schwenzer, den Sachverhalt. Die Polizei ermittle in alle Richtungen. Somit ist auch ein rechtsextremer Hintergrund nicht auszuschließen. Das Opfer befindet sich nach Angaben des Polizeisprechers in einem künstlichen Koma. Auf diversen Antifa-Seiten im Internet war davon die Rede, dass das Opfer von mindestens fünf Neonazis angegriffen und zusammengeschlagen worden ist.

Auch der Thüringer Hilfsdienst für Opfer rechtsextremer Gewalt wurde von dem Vorfall informiert. Man habe unverzüglich über die Polizei ein Hilfsangebot an das Opfer und dessen Angehörige weitergeleitet, erklärte eine Mitarbeiterin dem ND. Allerdings würde man selbst auch nicht über genaue Erkenntnisse des Geschehens der Tatnacht verfügen. Zudem sei die Region aus ihrer Sicht eine sehr »schwierige Ecke«. Die Zusammenarbeit mit der Polizei hätte sich dort bis vor kurzem sehr schwierig gestaltet, außerdem könne man sich mit der begrenzten Mitarbeiterzahl des Hilfsdienstes nur auf Schwerpunktregionen im Freistaat konzentrieren. Dazu gehört Berga nicht. Insgesamt teilen sich die zwei Dreiviertelstellen vier Personen.

Die Gegend sei auf jeden Fall »kein Pulverfass« in Thüringen. Die Diskothek ist als Anlaufpunkt für die gesamte Region bekannt. Eine Besucherin, die das letzte Mal im Dezember letzten Jahres dort zu Besuch war, erzählt, dass auch ziemlich viele Personen der rechten Szene anzutreffen waren. Schlägereien vor der Lokalität finden übrigens fast zu jeder Veranstaltung statt.

Der Betreiber der Diskothek hat nach den zuletzt aufgetauchten Gerüchten, dass das Opfer seinen Verletzungen erlegen sei, auf seiner Internetseite reagiert. In einer Erklärung bestätigte er, dass es vor der Diskothek eine Schlägerei gab, »bei der ein junger Mann sehr schwer verletzt wurde«. Zurück weist er allerdings Gerüchte, dass dieser mit Baseballschlägern traktiert wurde. Zugeben musste er allerdings, dass es dem Opfer bis heute sehr schlecht geht.

Den Angehörigen wünschte er eine positive gesundheitliche Entwicklung des Opfers. Allerdings wies er jegliche Schuld von sich, da sich der Vorfall auf der Straße ereignete und somit im öffentlichen Raum, für den die Polizei zuständig sei. In einer Pressmitteilung hat die Kriminalinspektion Gera jetzt nochmals Zeugen des Geschehens aufgerufen sich zu melden.

 

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