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Ermittlungen wegen antisemitischer Parolen (mdr vom 19.08.08) E-mail
Tuesday, 19 August 2008 09:32
Die antisemitischen Parolen beim Thüringen-Derby zwischen dem FC Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena haben ein Nachspiel. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat schriftliche Stellungnahmen von den Klubs angefordert.

Parolen und brennende Schals


Bei der Partie am Freitag hatten Anhänger der Erfurter Gastgeber "Juden-Jena" skandiert und ein antisemitisches Lied angestimmt. Erst nach einer Aufforderung durch den Erfurter Stadionsprecher, die Rufe zu unterlassen, verstummten die Parolen.

Die Anhängerschaft der Gäste aus Jena hatte ihrerseits für Aufsehen gesorgt, als sie mehrere Schals der Erfurter Hausherren in ihrem Zuschauerblock verbrannte.

Bestürzung bei beiden Klubs

Die antisemitischen Ausfälle kamen allerdings nicht aus dem Erfurter Fanblock der Ultras, sondern von der Haupttribüne. Was die Anzahl der Rufer betrifft, gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen. Anfangs war von um die 20 Fans die Rede. Jenas Präsident Peter Schreiber sprach im MDR FERNSEHEN dagegen von "fast einem kompletten Block". Matthias Stein vom Jenaer Fanprojekt bestätigte das. "Anfangs waren es um die hundert, am Ende bestimmt 400 Leute." Der Stadionsprecher hat nach Steins Meinung viel zu spät reagiert. "Durchsagen gab es erst kurz vor Schluss. In der ersten Halbzeit, als auch das U-Bahn-Lied gesungen wurde, passierte nichts", sagte er dem MDR.

Rot-Weiß Erfurt will handeln

Der FC Rot-Weiß will die Angelegenheit jedenfalls nicht totschweigen. "Wir werden uns am Montag im Verein zusammensetzen und besprechen, wie wir beim nächsten Heimspiel reagieren und wie wir das demnächst verhindern können", sagte Danilo Knieling vom Erfurter Fanprojekt dem MDR. Den betreffenden Fans müsse klar gemacht werden, was sie da angestellt haben. Sofort mit Stadionverboten zu reagieren, hält Knieling für schwierig. "Damit schließt man sie nur aus, ändert sie aber nicht."

Parallelen zu Halle

Der Präsident des FC Rot-Weiß Erfurt, Rolf Rombach, bezeichnete die Rufe derweil als "unmöglich": "Wir distanzieren uns öffentlich davon". Der FC Carl Zeiss Jena will laut "Spiegel online" am Montag nach einer Präsidiumssitzung zu den Vorfällen Stellung nehmen. Beiden Klubs drohen Geldstrafen.

"Juden-Jena"-Rufe durch Fans haben dem Halleschen FC in der letzten Saison drei Punkte gekostet. Außerdem durfte ein Heimspiel nur vor einer Minikulisse bestritten werden. Allerdings ging der Verein damals nicht gegen die Täter vor und galt als Wiederholungstäter.
 

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