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Außen hui und innen pfui
Die Zeiten, in denen Neonazis durch martialisches Auftreten mit Springerstiefeln, Bomberjacke und Glatze zu erkennen waren und durch ihr bloßes Auftreten einschüchterten, sind schon lange vorbei. Heute kopieren die Rechtsextremen Kleidung verschiedenster Jugendkulturen, seien es „Black Block“-Look, Baggypants und Basecap oder unauffälliges Auftreten in Klamotten der Szenemarken „Thor Steinar“ oder „Erik and Sons“. Eines ist jedoch gleich geblieben, ihr menschenverachtendes, selektierendes und rassistisches Denken. Allerdings haben es die Neonazis geschafft, durch ihr modern wirkendes Aussehen zum einen Jugendliche für ihre Politik zu begeistern und Barrieren aufzubrechen und zum anderen das Wahrnehmungsbild zu verzerren. 
_adley, 8. August 2007
Von ganz normalen Jugendlichen und Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden
Längst ist es soweit, dass Polizist/innen, Bürger/innen oder Sozialpädagogen/innen die Neonazis nicht mehr erkennen oder gar mit alternativen, linken und antifaschistischen Jugendlichen verwechseln oder gleichsetzen. Fragt man zum Beispiel in Jugendclubs mit einschlägig bekanntem rechtsextremen Klientel die zuständigen Sozialarbeiter/innen, wie sie denn mit den Neonazis umgehen und dem Problem begegnen, so hört man häufig: „Wir haben kein Problem mit rechtsradikalen Jugendlichen, sicherlich gibt es rechte Tendenzen, aber schauen Sie sich die Jugendlichen doch an, sie werden hier keine Naziskinheads treffen“. Auf Seiten der Polizei ist eine Sensibilisierung für die neuen Rechten ebenfalls noch nicht erkennbar, überfallen Nazis im „BlackBlock“-Look alternative Jugendliche, so schreiben sie stets von Auseinandersetzungen zwischen „rivalisierenden Jugendbanden“ oder sogar von Gewalt zwischen „linken Gruppierungen“. Hier sind dringend Schulungen von Multiplikator/innen und Polizist/innen sowie antifaschistische und zivilgesellschaftliche Intervention gefragt.
Thor Steinar – alter Geist in neuen Gewändern
Seit 2002 etabliert sich in der europäischen Neonaziszene die Marke „Thor Steinar“ der Mediatex GmbH aus Königs Wusterhausen in Brandenburg. Die Geschäftsführer Axel Kopelke und Uwe Meusel sind keine Unbekannten. Kopelke war spätestens ab 1997 einer der Betreiber des „Explosiv“, eines rechten Szene-Klamottenladens in Königs Wusterhausen. Das "Explosiv" war überregionaler Anlaufpunkt für junge Neonazis und auch nach Ladenschluss ein Treffpunkt der örtlichen Kameradschaftsszene. Mitarbeiter und Praktikanten waren ausschließlich der rechtsextremen Szene zu zuordnen. Kopelke war Stammgast auf völkischen Sonnenwendfeiern, einer NPD-Reichsgründungsfeier und auf Neonazikonzerten. Nachweislich besuchte er einen Liederabend mit dem Neonazi-Volksmusiker Frank Rennicke, dessen Veröffentlichungen zum Großteil indiziert oder verboten sind. Uwe Meusel, erklärte gegenüber Pressevertretern auf die Frage zu seiner eigenen Haltung zum Rechtsextremismus nur: »Ich muss mich hier nirgendwo distanzieren.« Einer anderer ehemaliger Mitarbeiter von Mediatex fiel im Zusammenhang mit der Organisation und dem Besuchen von Rechtsrock-Konzerten in Schweden auf. Ende 2007 schied Kopelke bei der Mediatex GmbH aus um in der Schweiz eine neue Firma zu gründen. Völkische Codes „Thor Steinar“ schafft es durch Doppeldeutigkeiten in seiner Symbolik auch in normalen Sport- und Klamottenläden verkauft zu werden. Die völkische Symbolik erschließt sich nur Szenekenner/innen und den Neonazis selbst. So werden z.Bsp. T-Shirts mit dem Schriftzug „Nanga Parbat“ vertrieben. Auf den ersten Blick unverdächtig. Der Nanga Parbat ist ein von deutschen Bergsteiger/innen entdeckter Berg im Himalaja. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Expeditionen der Deutschen Himalaja-Stiftung zum Nanga Parbat zu großen Medienereignissen stilisiert. Dazu muss gesagt werden, dass im deutschen und im österreichischen Alpenverein frühzeitig völkisch, antisemitisch und nationalistisch eingestellte Mitglieder die Oberhand gewannen und bereits 1924 die jüdische Sektion Donauland ausgeschlossen wurde. Der Alpenverein hatte damit bis auf wenige Ausnahmen, lange vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, keine jüdischen Mitglieder mehr. Ein anderes und wichtiges Beispiel – da es die Strategie von Thor Steinar offenbart – sind T-Shirts mit dem Schriftzug „Ultima Thule“. Bei „Ultima Thule“ handelt es sich um eine schwedische Rechtsrock-Band, die ähnlich wie Thor Steinar versucht sich lediglich als nationalistisch darzustellen und dadurch auch schon mehrfache Plazierungen in den schwedischen Mainstreammusikcharts verbuchen konnte. Dabei findet man in Booklets der CDs z.Bsp. Fotos von Wehrmachtssoldaten. Außerdem sind Auftritte mit anderen Nazibands, WhitePower Hymnen und Beiträge auf Nazi-Samplern wie „White Resistance“ aus dem Umfeld des KKK gehören für „Ultima Thule“ zum Kern ihres Geschäfts und drücken deutlich ihre wahre Ideologie aus. 
_adley, 5. Juni 2008 Strategien von Rechts
Die Macher der Marke „Thor Steinar“ versuchen seit fast 3 Jahren eigene Läden in verschiedenen Innenstädten in Ostdeutschland zu etablieren. Das Ziel ist hierbei ganz klar, eingebettet in normale Konsumstrukturen (Einkaufscenter etc.) neues und vor allem unpoltisches Käufer/innenpotenzial zu aquirieren. Damit baut sich diese Marke weiter Brücken in die Mitte der Gesellschaft. Thor Steinar wird von Bürger/innen als eine unter vielen Modemarken wahrgenommen und findet so schleichende Akzeptanz. Immer mehr Jugendliche tragen diese Marke ohne zu wissen, was sich eigentlich dahinter verbirgt. So werden Barrieren zu organisierten Neonazis abgebaut und auf der anderen Seite zu alternativen Jugendlichen und Kenner/innen der Marke geschaffen, da diese meist davon ausgehen, es handle sich bei der oder dem Träger/in um einen Neonazi. So kommt es zur stillen Solidarisierung von unpolitischen mit rechtsradikalen Träger/innen. Das Madley hat sich etabliert
Bereits seit 1997 befindet sich in der Wagnergasse, der Kneipenmeile der Stadt, der Naziladen „Madley“. Der Inhaber Frank Liebau zielt mit seinem Geschäft auch Rechtsextremes und nicht-politisches Klientel. Durch die verkehrgünstige Lage in Jenas Innenstadt erzielt der Laden eine ungeahnte Werbewirkung gerade auf Jugendliches Publikum. Neben dem permantenten Angebot von Marken wie „Thor Steinar“, „Consdaple“ und „Wallhall“ konnte man hier zeitweise unter dem Ladentisch auch rechtsextreme und Indizierte Musik erwerben. Das Madley zieht organisierte Neonazis aus Randgebieten und dem Umland in die Innenstadt und trägt somit zur Etablierung eines rechten Mainstreams bei. Weitere Informationen zum "Madley" bei Artthur
Wie lange noch?
Das öffentliche Bewußtsein für die Gefahr, die von diesem rechten Lifestyle ausgeht, ist im vergangenen Jahr erheblich gewachsen. Es gab mehrere Infoveranstaltungen und vor allem das Verbot, im Stadion Thor-Steinar-Klamotten zu tragen. Daran schloß sich Anfang 2008 eine Flyerkampagne "Wo würde Hitler seine Turnschuhe kaufen?" an, die das "Madley" direkt ansprach. Bei dem ersten Angriff auf das "nationale Bekleidungsgeschäft" wurde am 8. August 2007 die Fassade verziert und das Schaufenster zeigte die ersten Risse. Das seitdem auch als "_adley" bekannte Geschäft wurde in der Nacht nach dem "Fest der Völker" erneut von der Antifa besucht, und seit dieser Woche ersetzt eine Holzplatte die Fensterscheibe...
Stop Thor Steinar! - Informationen gegen die Nazimarke Flyer "Old Shit - New Style" (PDF) Broschüre "Investigate Thor Steinar" (PDF)
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