Mit über 5000 Teilnehmern auf ihrem "Trauermarsch" am Samstag ist es den Nazis gelungen, an ihren Mobilisierungserfolg im Jahr 2006 anzuknüpfen. Schon am Mittwoch, dem eigentlichen Jahrestag der Bombardierung, hatten 1000 Anhänger der Freien Kameradschaften in Dresden demonstriert. Dagegen war die Beteiligung an der Antifaschistischen Aktion am Samstag schwach: Gerade 1000 Leute hatten sich auf der Kundgebung am Wiener Platz versammelt. Auf der bürgerlichen "Geh Denken"-Demo, die am Goldenen Reiter begann, waren 2000-3000 Menschen.
Immerhin ist es uns gelungen, trotz des Verbots durch die Stadt Dresden überhaupt eine Demonstration in der Altstadt durchzuführen. Die Nazis hingegen mußten sich mit einer viel kürzeren und viel unattraktiveren als der angemeldeten Route begnügen. Insbesondere führte ihre Demonstration nicht wie im letzten Jahr an der Neuen Synagoge vorbei.
Aus unseren Beobachtungen und den ersten Veröffentlichungen ziehen wir - anders als die Dresdner Antifa - den Schluß, dass dies weniger an unserem Druck auf der Straße lag. Stattdessen vermuten wir, die Verantwortlichen in Politik und Polizei haben schon vor Samstag eine kurzfristige Änderung der Demo-Pläne, sprich: die Verlegung der Naziroute weg aus der Innenstadt, beschlossen. So hielt sich die Polizei beim Vordringen der Antifa-Spontandemonstration zum Dr.-Külz-Ring auffallend zurück; daß sich die "Geh Denken"-Demonstration und der Naziaufmarsch an der Neuen Synagoge fast treffen, war von Anfang an vom Ordnungsamt Dresden einkalkuliert. Ob diese Interpretation zutrifft und welche Schlußfolgerungen zu ziehen sind, wird sich in der Diskussion in den nächsten Wochen zeigen.
Wir möchten euch auf die folgenden Einschätzungen hinweisen:
Ein Video aus Dresden findet ihr unter "Aktuelles".
Deutsche Täter sind keine Opfer
Am 13. Februar jährt sich zum 63. Mal die Bombardierung Dresdens durch die allierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg. "Dresden" steht als Symbol für die Zerstörung deutscher Städte durch den strategischen Bombenkrieg Großbritanniens und der USA und ist für Nationalisten aller Coleur Anlass zu kollektiver Trauer um "unsere Toten".
Sächsische Spitzenpolitiker legen vormittags auf dem Heidefriedhof Kränze nieder. Sie durchqueren dabei einen in der NS-Zeit angelegten Kreis von Stelen, von denen heute sieben die Namen von Konzentrationslagern tragen und sechs die Namen von Städten, die von den Deutschen im Krieg zerstört wurden. Die vierzehnte Stele trägt die Inschrift Dresden. So werden die deutschen Opfer auf eine Stufe gestellt mit den Opfern der deutschen Aggression, zu deren Mitteln schon seit 1937, seit dem Luftangriff auf Gernika, Bombenangriffe auf Zivilisten zählten. Das gemeine Volk zündet abends dann tausende Kerzen "für Dresden" an...
Grösster Naziaufmarsch in der BRD
Auf diesem Nährboden entwickelte sich der alljährliche "Trauermarsch" der revanchistischen Jungen Landsmannschaft Ostpreussen (JLO, heute: Junge Landsmannschaft Ostdeutschland) seit 2000 zum wichtigsten regelmässigen Naziaufmarsch in der BRD. Nachdem im letzten Jahr rund 2000 Anhänger an einem Dienstag (!) mobilisiert wurden, plant die JLO in diesem Jahr mit einer Demonstration am Samstag, den 16. Februar, an die Rekordbeteiligung der früheren Jahre (2005: 6500, 2006: 5000 Teilnehmer) anzuknüpfen.
Solche Grossdemonstrationen haben eine herausragende Bedeutung für diese politische Szene. Sie vermitteln den Anhängern ein motivierendes Vor-Gefühl der rassistischen und sexistischen Volksgemeinschaft, für die sie eintreten. Der positive Bezug auf das "Dritte Reich" und den Zweiten Weltkrieg verbindet dabei alle nazistischen Organisationen im In- und Ausland.
Gegen jeden Geschichtsrevisionismus!
... ist unser Motto am 16. Februar. Wir wenden uns gegen das bürgerliche Gedenken und gegen den Naziaufmarsch. Beides ist Ausdruck des deutschen Nationalismus, der heute zur Rechtfertigung von Lohnsenkung und Sozialabbau, von Abschiebungen und Militärinterventionen dient und der vor 60 Jahren zum Völkermord und zum Weltkrieg und letztlich auch zur Zerstörung Dresdens führte. Letztes Jahr ist wegen unseres Widerstands die Wegstrecke der Nazis verkürzt worden. Daran wollen wir anknüpfen.
In diesem Sinne, Let’s do it again!
Sonnabend, 16. Februar - 10 Uhr - Dresden, Altmarkgalerie / Ecke Seestrasse Antifademo gegen jeden Geschichtsrevisionismus und gegen den Naziaufmarsch
Bustickets zur gemeinsamen Anreise können im Infocafè für 10€ (Infoladen Schilergäßchen 5) erworben werden. Öffnungszeiten: Montags und Donnerstags 14 - 18 Uhr. )