
| Neues aus Katzhütte |
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| Monday, 03 March 2008 18:49 | |
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Der Aufruf der Flüchtlinge aus Katzhütte zur Schließung ihrer Unterkunft, die sich in desolatem Zustand befindet und in der sie von der Heimleitung beständig schickaniert werden, hat in der Öffentlichkeit relativ große Beachtung gefunden. Das Landratsamt versucht, die baulichen Mängel klein zu reden, und macht Stimmung gegen die Flüchtlinge, die zu drei Vierteln sowieso nicht mehr in Deutschland sein dürften. Außerdem wird versucht, die Bewohner durch häufige "Besuche" der Polizei einzuschüchtern. Wir dokumentieren die zweite Stellungnahme der Heimbewohner sowie mehrere Presseartikel. Bitte beachtet auch die Berichterstattung von The Voice. Stellungnahme der Bewohner der GU Katzhütte zum Besuch der Vertreter von Stadt und Land am 26.02.2008 Am 26.02.2008 besuchten Vertreter des Landratsamtes und der Gemeindeverwaltung die Gemeinschaftsunterkunft (GU) Katzhütte. Den Presseberichten der „OTZ Rudolstadt“ und der Zeitung „Freies Wort“ zufolge, versuchen die Heimleitung, die Gemeindeverwaltung und die Vertreter des Landratsamtes die Situation unserer Unterbringung in Katzhütte zu verharmlosen und sogar unsere Berichte teilweise als unwahr darzustellen. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen eine eigene Stellungnahme zu den Geschehnissen herauszugeben. Während des Besuches der Vertreter der besagten Behörden, versuchte die Heimleitung immer wieder zu verhindern, dass wir, die Bewohner des Flüchtlingsheimes Katzhütte die Zustände in unserer Behausung den Vertretern direkt schildern. Des Weiteren verbietet die Heimleitung, ohne ersichtlichen Grund, sämtlichen Pressevertretern bzw. uns persönlich, im Heim zu filmen oder zu fotografieren, was es unmöglich macht, die Situation im Heim einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Den Presseberichten zufolge gibt die Heimleitung lediglich zu, dass in zwei Bungalows Schimmel in den Wänden ist, was sich allerdings leicht reparieren ließe. Wir möchten jedoch klarstellen, dass wir in einem ehemaligen Ferienheim wohnen, was noch zu DDR Zeiten gebaut wurde. Nur einige Bewohner wohnen in diesen ehemaligen Ferien-Bungalows. Die meisten wohnen jedoch in alten Baracken, deren Wände aus Hartpappe bestehen. Die Räume sind extrem hellhörig und es gibt für die dort lebenden Familien kaum Privatsphäre. Die ehemalige Ferienanlage ist zum einen alt und verbraucht, da sie nie restauriert worden ist, zum anderen wurde sie nie zum dauerhaften Bewohnen ausgerichtet. Die meisten der Bewohner der GU müssen dort allerdings für 5 Jahre und mehr wohnen bleiben. Die Wände der Bungalows und Baracken sind kaum oder gar nicht gedämmt, weshalb sich viele der Bewohner elektrische Heizgeräte selber kauften. Diese wurden ihnen aber immer wieder von der Heimleitung weggenommen, mit der Begründung, die Geräte würden zu viel Strom verbrauchen. Wir bekommen monatlich 106,00 Euro in Gutscheinen und 60,00 Euro in Bargeld ausgezahlt. Manche bekommen nur Gutscheine. Außerdem bekommen wir noch monatlich festgelegte Beträge für Kleidung, Hausrat und Hygieneartikel. Festgelegt ist auch, dass wir inklusive dieser Beträge monatlich 224,00 Euro ausgezahlt bekommen müssten. Ausgezahlt werden uns jedoch nur 166,00. Euro. Das heißt die Heimleitung müsste von dem Geld Toilettenpapier und andere Hygieneartikel für die Gemeinschaft bereitstellen. Dies ist allerdings nicht der Fall. Fraglich ist also der Verbleib, der 58,00 Euro die wir jeden Monat zu wenig ausgezahlt bekommen. Kollektivbestrafungen wie die Drosselung der Wassertemperatur in der Nacht, bzw. dass Abschließen der Gemeinschaftsküche sind pädagogische Maßnahmen, die noch aus Zeiten des Ferienlagers zu stammen scheinen. Wir, Flüchtlinge aus aller Welt, die aus verschiedenen Gründen unsere Heimat verlassen mussten, fühlen uns durch derartige Repressalien, wie auch die Erfindung der Lebensmittelgutscheine und Urlaubsscheine in unserer Würde verletzt. Wir fordern aus diesem Grund, keine Reparatur der schimmligen Wände in zwei Bungalows, sondern eine sofortige Schließung dieses Heims und eine Unterbringung in normalen Wohnungen, in denen es uns möglich ist, ein menschenwürdiges Leben zu führen! Am 27.02.2008 sind ohne ersichtlichen Grund Polizeibeamte auf das Gelände des Heims und in unsere Gemeinschaftsküche eingedrungen. Seitdem fahren immer wieder Polizeiwagen Streife um das Heim. Wir fordern außerdem diese Art von Einschüchterungsversuchen sofort zu unterlassen! Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Katzhütte Wir wollen in normalen Häusern leben und nicht in Baracken! Wir rufen Euch auf, uns zu unterstützen in unserem Kampf um unsere Würde! Wir bitten Euch, um Eure Solidarität! Kontakt in Katzhütte: Für mehr Informationen wenden sie sich bitte an Hr. M. Sbaih: Tel.Handy: 0162 3574667 in Katzhütte The VOICE Refugee Forum Jena; Tel.Handy: 0176 24568988. E-mail: This e-mail address is being protected from spambots, you need JavaScript enabled to view it , http://thevoiceforum.org ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Asylbewerber Unhaltbare Zustände oder alles nur halb so schlimm? (Freies Wort vom 28.02.08) Bewohner der Unterkunft Katzhütte beschweren sich Katzhütte – Feuchtigkeit und Schimmel in den Baracken, Schikanen bei der Bereitstellung von Toilettenartikeln und warmem Wasser, Beschimpfungen und Bestrafungen seitens der Heimleitung – Zustände in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Katzhütte, die der 40-jährige Palästinenser Mohammed Sbaih als Sprecher der 88 Bewohner am Wochenende gegenüber „The VOICE Refugee Forum“ – einem Netzwerk von politischen Flüchtlingen – anprangerte. Das reichte, unterstützt durch den Flüchtlingsrat Thüringen, die Beschwerden weiter an das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt als Verantwortliche für die Unterbringung mit der Forderung, dieses Camp für immer zu schließen. Vertreter des Landratsamtes, der Verwaltungsgemeinschaft, der Gemeinde und des Asylbewerberheims in Katzhütte haben daraufhin am Dienstag die Gemeinschaftsunterkunft besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu verschaffen und mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. „Tatsächlich sorgt das Auftreten von Schimmel in einem der beiden Bungalows seit längerer Zeit für Unmut zwischen den Bewohnern und der Heimleitung“, gibt Peter Lahann zu. Trotz vielfacher baulicher Veränderungen sei es aufgrund unzureichender Belüftung immer wieder zu einer hohen Luftfeuchte gekommen, die das Auftreten von Schimmel begünstige. „Viele andere Vorwürfe entbehren jedoch jeglicher Grundlage“, versichert der Pressesprecher des Landratsamtes. So sei es nicht korrekt, dass die Heimleitung ab 17 Uhr das warme Wasser abstellt. Tatsächlich werde zwischen 21 Uhr und 5 Uhr die Wassertemperatur geringfügig gedrosselt. Auch Seife und Toilettenpapier würden 14-tägig ausgegeben und ständen auf Nachfrage auch darüber hinaus zur Verfügung. Die Bewohner bekämen in der Regel monatlich rund 60 Euro Bargeld ausgezahlt, zusätzlich würden für rund 106 Euro Gutscheine ausgereicht. „In wenigen Einzelfällen erhalten die Flüchtlinge lediglich Gutscheine, da sie gegen gesetzliche Auflagen verstoßen haben“, so Lahann abschließend. Insgesamt leben derzeit rund 230 ausländische Flüchtlinge im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, davon ist der größte Teil dezentral in Wohnungen untergebracht, insbesondere Familien mit Kindern. Das möchten auch die 88 Bewohner der Katzhütter Unterkunft, unterstützt durch den Flüchtlingsrat. Die Unterbringung in eigenen Wohnungen ermögliche nicht nur ein menschenwürdigeres und selbstbestimmteres Leben, sondern fördere auch eine Einbindung in die deutsche Gesellschaft. Red Verwaltung macht sich vor Ort ein Bild in Katzhütte (OTZ vom 28.02.08) Teil der Vorwürfe bei Gespräch entkräftet Katzhütte (OTZ). Vertreter des Landratsamtes, der Verwaltungsgemeinschaft, der Gemeinde und des Asylbewerberheims in Katzhütte haben gestern Vormittag die Gemeinschaftsunterkunft besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu verschaffen und mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Auslöser für den Besuch war ein Protestbrief einiger Flüchtlinge über die Zustände und die Behandlung in der Unterkunft und durch die Ausländerbehörde (OTZ berichtete). Tatsächlich sorge das Auftreten von Schimmel in einem der beiden Bungalows seit längerer Zeit für Unmut zwischen den Bewohnern und der Heimleitung, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Trotz baulicher Veränderungen kam es aufgrund unzureichender Belüftung immer wieder zu einer hohen Luftfeuchte, die das Auftreten von Schimmel begünstigt. Neben weiteren Appellen an ein vernünftiges Durchlüften setze sich das Landratsamt mit dem Eigentümer der Immobilie, der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen, in Verbindung, um bauliche Verbesserungen vorzunehmen. Viele andere Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage, heißt es. So sei es nicht korrekt, dass die Heimleitung ab 17 Uhr das warme Wasser abstellt. Tatsächlich werde zwischen 21 und 5 Uhr die Wassertemperatur geringfügig gedrosselt. Die Gemeinschaftsküche sei von 16.30 bis 20 Uhr aus Brandschutzgründen vorübergehend geschlossen, weil dort mehrfach Elektroherde angelassen wurden. Darüber hinaus gebe es weitere Kochmöglichkeiten. Seife und Toilettenpapier würden 14-tägig ausgegeben und stünden auf Nachfrage darüber hinaus zur Verfügung. Laut Landratsamt bekommen die Bewohner in der Regel monatlich rund 60 Euro Bargeld ausgezahlt, zusätzlich werden für rund 106 Euro Gutscheine ausgereicht. In Einzelfällen erhalten die Flüchtlinge lediglich Gutscheine, da sie gegen gesetzliche Auflagen verstoßen haben. Den Bewohnern der Einrichtung stünden die gleichen Angebote der örtlichen Infrastruktur zur Verfügung wie den anderen Einwohnern von Katzhütte. Die Flüchtlinge könnten sich entsprechend der Ausländergesetzgebung im Landkreis frei bewegen. Wenn sie den Landkreis verlassen wollen, müssen sie einen Urlaubsschein ausfüllen. Fahrten zu Arztbesuchen seien selbstverständlich jederzeit möglich. Die Heimleitung habe in der Vergangenheit mehrfach aus Brandschutzgründen defekte Elektrogeräte vom Sperrmüll einziehen müssen, die die Bewohner dort aufgestellt hatten, hieß es weiter. Alle Seiten hätten ihre Gesprächsbereitschaft erklärt, um ein vernünftiges Zusammenleben von Flüchtlingen und den anderen Einwohnern von Katzhütte zu garantieren. Das Kreuz mit den Flüchtlingen (OTZ vom 27.02.08) Das Katzhütter Problem hat eine lange Vorgeschichte - Flüchtlingsrat fordert Heimschließung Von OTZ-Redakteur Thomas Spanier Katzhütte. Der aktuelle Streit um die Art und Weise der Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Katzhütte ist das vorläufige Ende einer langen Kette. Das Problem, wie man Asylsuchende angemessen unterbringt, ist mindestens so alt wie der Landkreis selbst. Bereits zu Beginn der 90er Jahre gab es in Breitenheerda einen Aufschrei der Bevölkerung, als die Ausländerbehörde aus einem ehemals von Militärangehörigen genutzten Wohnblock ein Asylbewerberheim machen wollte. Immer mal wieder kritisierten in den 90er Jahren Kommunalpolitiker, dass der Landkreis mit den Landesgemeinschaftsunterkünften in Saalfeld-Beulwitz und Katzhütte überdurchschnittlich viele Flüchtlinge zu betreuen hatte. Als das Heim in den Beulwitzer Kasernenblöcken auszog, wurden die verbleibenden Flüchtlinge in Katzhütte, Sitzendorf, Rudolstadt und Saalfeld-Remschütz untergebracht. Mit der Änderung des Asylrechts ging die Zahl der Asylbewerber immer weiter zurück. Waren es Mitte der 90er Jahre mal 700, so sind es jetzt gerade noch 230. Logische Folge war die Schließung weiterer Heime. 2004 machte das ehemalige Ferienlager in Remschütz dicht, in Rudolstadt zogen Ende Februar vergangenen Jahres die letzten Bewohner aus. Sitzendorf wurde Mitte April 2007 geschlossen, nachdem es bis zuletzt Proteste gegen die Schließung dieses Heimes gab. Es blieb - Katzhütte. Vorausgegangen war eine Ausschreibung, bei der die privaten Betreiber des Katzhütter Heimes, die Firma Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung (K + S) aus Bott-rop, den Zuschlag erhielt. Gegen ihren Willen zogen viele Sitzendorfer das Schwarzatal aufwärts. Ein Teil der Flüchtlinge, vornehmlich Familien, wurde und wird schon immer in Wohnungen untergebracht, die der Landkreis im Städtedreieck angemietet hat. Warum dies nicht auch für die verbliebenen 88 Leute in Katzhütte geht, begründete Landrätin Marion Philipp (SPD) mit dem Asylverfahrensgesetz und höheren Kosten für den Kreis. Ob das Barackencamp in der Oelzer Straße jedoch noch lange zu halten ist, ist fraglicher denn je. Am Dienstag forderten der Flüchtlingsrat Thüringen wie auch die Landessprecherin der Grünen die schnellstmögliche Schließung des Heimes. 27.02.2008 |